20/08/12
Hoch hinaus
Bariton MARKUS WERBA ist einer der international erfolgreichsten österreichischen Sänger! In Salzburg begeisterte er einmal mehr als Papageno das Publikum!

Markus Werba, Foto: privat
Markus Werba, als Papageno sind Sie der Publikumsliebling der heurigen Salzburger “Zauberflöte” – steuert man auf so etwas hin oder passiert es eher zufällig?
Das hat sich so ab der Generalprobe ergeben.Da hat man das erste Mal ein Publikum und man spürt wie die Leute reagieren. Und dann ging es, wie Papageno sagt, von “Hand zu Hand”.
Papageno ist die Figur mit der meisten “action”, Sie sind ziemlich viel in Bewegung – wie schafft man es da, sich auch noch aufs Singen zu konzentrieren?
Bei mir persönlich ist es so,dass ich mich mit der Bewegung freier fühle als im ruhigen, kontrollierten Zustand. Das war schon immer so – und noch dazu ist es eine Herausforderung, die Spaß macht.
Was mögen Sie an Papageno am meisten – was am wenigsten?
Am meisten das auf der Bühne sein – und am wenigsten die drei längeren Pausen zwischen seinen Szenen!
Papageno als Delikatessenhändler – warum müssen Sie in der Inszenierung von JENS DANIEL HERZOG eigentlich tote Vögel verkaufen?
Also bis zu dieser Produktion in Salzburg hab´ich sie immer lebend verkauft. Über die Vögel als Delikatessen hab´ich nicht so gerne nachgedacht!
Sie haben diese Rolle schon einmal bei den Salzburger Festspielen gesungen, nämlich 2005 unter RICCARDO MUTI – was ist der größte Unterschied zwischen diesen beiden Inszenierungen?
Erstens war es 2005 im Großen Festspielhaus und nun in der Felsenreitschule. 2005 hatte ich meinen ersten Auftritt durch einen Zimmerschrank, jetzt fahr ich mit einer Ape auf die Bühne. Damals spielte der ganze 2.Akt im Altersheim und jetzt im Sarastro-Institut. Und natürlich musikalisch: mit den Originalinstrumenten erfährt diese Oper schon eine Annäherung an Mozarts Zeit, was sehr spannend ist.
Die Zauberflöte in der Interpretation von NIKOLAUS HARNONCOURT hat über weite Strecken enorm langsame Tempi – ist das schwerer zu singen und wie hat er die Sänger dazu überzeugt?
Schwer ist es nicht, denn er hat für alles eine Begründung. Ausserdem bei Papagenos Musik dirigiert er nicht auffällig langsam. Erstens geht es ihm vor allem um die Verständlichkeit der Wörter wie z.B. in den Quintetten mit den Drei Damen. Bei der ersten Arie des Papageno will er vor allem die Bodenständigkeit des Charakters zeigen und das bekannte Duett mit Papagena ELISABETH SCHWARZ z.B. ist sehr spritzig. Dann möchte er auch immer bei gehaltenen Noten in der Orchesterbegleitung, dass man musikalisch freier denkt, in einer Art Recitativo accompagnato. Und die Arie der Pamina JULIA KLEITER ist auch sehr viel schneller.
Egal, welche Inszenierung – Papageno hat die Lacher auf seiner Seite, warum?
Weil sich die Leute eigentlich über ihre eigenen Schwächen lustig machen, denn so viele Prinzen wie Tamino gibts ja heute nicht mehr…
Sie waren bis 2000 Ensemblemitglied der Wiener Volksoper und sind jetzt frei als Sänger unterwegs. Welche Vorteile hat das Wanderleben und was vermissen Sie an einem fixen Engagement?
So lang man jung ist, muss man die Welt sehen und das genieß ich sehr! Ins fixe Engagement kann man ja noch immer gehen,wenn man das will.
Was sind Ihre wichtigsten Pläne für 2012/13?
Viele sagen Papageno wäre meine Paraderolle. Das kann ich nur widerlegen mit drei Produktionen in der Rolle des Don Giovanni in der kommenden Saison und zwar an meinem quasi Stammhaus, dem Teatro La Fenice di Venezia, an der Oper in Torino und in Paris. Und Figaro und den Eisenstein an der Wiener Staatsoper. Dann Liederabende und Konzerte in Paris, Versailles, Schwarzenberg, Montreal, Edinburgh, London, die mir besonders am Herzen liegen. Und meine Erste Wagner-Rolle – aber darüber sprechen wir dann das nächste Mal!
Und, indiskrete Frage, haben Sie eigentlich schon eine Papagena?
Sonst wär ich ja nicht Papageno.
Markus Werba, danke für das Gespräch!






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