19/06/12
Zednik, ziemlich auf Zack!
HEINZ ZEDNIK in Madame Pompadour

Heinz Zednik als König Ludwig XV., Foto: Barbara Pálffy/Volksoper
Leo Falls rotzige Operette um die verruchte „Madame Pompadour“ bringt nicht nur Annette Dasch’s erfreulichen ersten Operettenauftritt in Wien, sondern auch ein Wiedersehen mit einem ganz Großen der österreichischen, ja der internationalen Opernwelt: mit Kammersänger Heinz Zednik! Als vertrottelter König Ludwig XV. zeigt er, wie man mit sparsamsten Mitteln zum Zentrum der Bühne wird und dass Charisma für Operette einfach unverzichtbar ist! Traumwandlerisch sicher bewegt er sich auf dem schmalen Grad, der Operette erst bühnenwirksam macht: bei aller Operettenseligkeit oder Operettenblödelei darf man ihre Figuren nie verraten! Und so geht Zednik als von seiner Mätresse genasweiste kleine König, der im Politischen so mächtig und im Privaten so ohnmächtig ist, wie ein kleines Kind ganz friedlich und irgendwie zärtlich schlafen…
„Die“ Pompadour übrigens war eine durchaus interessante Person – anders wäre es auch unvorstellbar, dass sie – obwohl nur 5 Jahre lang „Maitresse en titre“, sprich Bettgenossin des Königs, war, weiterhin und bis zu ihrem Tod in Versailles wohnen durfte. Sie hatte dort ein eigenes Theater, das „Theater der kleinen Kabinette“, das sie leitete, und Denker wie Rousseau, Diderot oder Voltaire unterstützte.
Sie starb 1964 – hier ein berührender Brief aus ihren letzten Jahren:
„Traurig, niedergeschlagen, in düsterer Stimmung bin ich gestern aus Fontainebleau zurückgekommen. (…) Ich bin nur mehr melancholisch, oft ohne Ursache. Die Freundschaftsbeweise des Königs, die Aufmerksamkeiten der Höflinge, die Anhänglichkeiten meiner Bediensteten und die Treue einer kleinen Zahl von Freunden, so viele Gründe, die mich beglücken sollten, berühren mich nicht mehr. (…) Barmherzige Menschen tragen mir täglich Geschichten und Abenteuer aus Paris zu. Sie glauben, ich höre zu. Doch wenn sie fertig sind, frage ich nach, was gerade erzählt wurde. Mit einem Wort ich lebe nicht mehr, ich bin vor der Zeit tot. Man lastet mir das Elend allerorten an, schlechte Vorhaben des Kabinetts, die Misserfolge im Krieg und die Triumphe unserer Feinde. Alles soll ich verkauft haben, über alles bestimmen, alles lenken. (…) Dieser Haß und die allgemeine Hetze im Volk treffen mich sehr: mein Leben ist ein fortwährender Tod“.
An die Comtesse de Baschi von 1762 oder 1763.


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